Nachhaltige Unternehmensarchitektur am Beispiel von Grüne Erde

Die Gewerbegebiete wachsen überall rasant, die Flächenversiegelung damit auch. Es ist sicherlich eine mehr als abendfüllende Diskussion, ob dieses System auf Dauer Sinn macht (kann ich zumindest aus meiner Sicht simpel mit “nein” beantworten:-)). Aber wie so oft, gibt es nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch viel Dazwischen und so werde ich immer dann hellhörig, wenn Unternehmen nicht einfach nur expandieren und bauen, was das Zeug hält, sondern wenn sie dies möglichst ressourcenschonend und nachhaltig tun und ihnen auch die Atmosphäre wichtig ist, die sie für Mitarbeitende und Kundinnen und Kunden schaffen. 

Deshalb stelle ich hier heute die 2018 fertig gestellten Firmensitz des österreichischen Unternehmens Grüne Erde vor. (Ohne Auftrag, Bezahlung o.ä., sondern weil ich es interessant finde). Mit dem architektonischen Konzept will das österreichische Unternehmen neue Wege in der Gestaltung eines Firmensitzes gehen: Es gehe nicht darum, sich selbst in den Vordergrund zu stellen und zu inszenieren, sondern Natur und Kultur zusammenwachsen zu lassen. Das Gebäude hält sich bewusst zurück, statt als architektonisches Zeichen bereits aus der Ferne aufzufallen. Die Landschaft und das Gebäude werden eins, gehen gleichsam ineinander auf – es erfolgt eine bewusste Entgrenzung zwischen Natur und Architektur. Architekt Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Klaus K. Loenhart: „Man geht nicht in ein Gebäude, sondern betritt ein Gebäude und gleichzeitig eine Landschaft. Die Grüne Erde-Welt ist eine erlebende, aber auch lebendige Landschaft, in der entwickelt, gearbeitet, besucht und entdeckt wird – und tatsächliche Lebendigkeit integraler Teil ist.“

 

Das kompakte, stark horizontal und nicht in die Höhe strebende Gebäude verfügt über reduzierte Außenflächen und hebt sich so nicht durch bauliche Vor- und Rücksprünge von der es umgebenden Natur ab. Im Gegenteil – seine schlichte Form verbindet es mit der Natur und Landschaft im Vorder- und Hintergrund zu einer Horizontlinie. Der dicht bewaldete Hamberg bot sich als ein natürliches „Bühnenbild” an: Die Landschaft davor wurde sanft modelliert, so dass die Grüne Erde-Welt in einer flachen Mulde sitzt. 

Die Fassade aus einzelnen, unterschiedlich geneigten Spiegelglastafeln sorgt zusätzlich für eine faszinierende räumliche Tiefe: Der vorhandene alte Baumbestand sowie die eigens gepflanzten Bäume und Sträucher (450 Bäume und 700 Sträucher an der Zahl) vervielfachen sich förmlich durch die Verspiegelung. Der Eindruck eines Waldes verstärkt sich.

 
 

Konsequent der Idee folgend, das Gebäude in der Landschaft aufgehen zu lassen, setzt sich das Gefühl von Natur auch im Inneren der Grünen Erde fort. Im Vordergrund steht auch hier die Verwendung von natürlichen Materialien, allen voran des nachwachsenden Rohstoffs Holz: Tragwerk, Decke und Innenwände bestehen aus hell lasiertem Fichtenholz. Sowohl im Store und den Schaubereichen, als auch in den Büros wurden Böden aus Eichenmassiv-Parkett verlegt, sämtliche Ladenbaumöbel wurden ebenfalls aus heimischer Eiche gefertigt. Die Schafschurwolle als ökologische Wärmedämmung trägt zum angenehmen Raumklima bei. Das natürliche Ambiente unterstreicht auch die großzügige Verwendung von heimischen Steinen: Aus den schottrigen Böden der Umgebung wurde ein Terrazzo-Boden mit geschliffener Oberfläche gegossen.

 

Ein ungewöhnlicher Bestandteil der Grünen Erde Welt sind die 13 bepflanzten Lichthöfe – ein, nach Aussage von Grüne Erde, architektonisches Novum für ein Betriebsgebäude. Jeder der zwischen 20 – 30 m2 großen Lichthöfe ist verglast und nach oben hin offen – eine direkte Verbindung nach draußen in die Natur. Die Lichthöfe sind mit verschiedenen heimischen Vegetationstypen bepflanzt: Ahorn-Eschen-Schluchtwald, Pannonischer Flaumeichenwald, Eichen-Hainbuchen-Mischwald oder Zirben-Lärchenwald bringen die lebendige Vielfalt des österreichischen Waldes zum Ausdruck. Die Böden in den Lichthöfen sind perfekt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Pflanzengemeinschaft abgestimmt: trocken, feucht, sandig, torfig, kalkig, moosig oder steinig.

Mit den Lichthöfen verschwimmen die Grenzen zwischen außen und innen, zwischen Natur und Architektur. Sie dienen nicht nur als natürliche Lichtquellen, sondern sind auch die Grundlage für die Klimatisierung des Gebäudes: An der Stelle von Klimaanlagen produzieren sie die benötigte Kühle und Sauerstoff zum Atmen: Sie ermöglichen auf diese Weise ein organisches Ein- und Ausatmen des Gebäudes.

 

Die Idee für die Grüne Erde-Welt entstand vor gut 5 Jahren: Der mit der Gesamtkonzeption und Planung beauftragte Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Klaus K. Loenhart vom Architekturbüro terrain: integral designs, München/Graz, überzeugte mit seinen Vorschlägen für die Grüne Erde-Welt. Bei der Grünen Erde entstand die Überzeugung, dass der für den Österreich-Pavillon auf der Expo Mailand 2015 verantwortliche Architekt und Landschaftsarchitekt sich in die Aufgabenstellung hineinfühlen konnte und die Unternehmensphilosophie, insbesondere die Verbundenheit mit der Natur, architektonisch gut umsetzen würde.

Fest verwurzelt im Almtal. Bei der Wahl des Standorts für das Projekt galt die Prämisse, Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Region im Almtal zu belassen: Der Stammsitz der Grünen Erde liegt in Scharnstein, die Textilwerktstätten waren mehr als 20 Jahre lang in der „Rittmühle“ an der Alm bei Vorchdorf, ebenfalls im Almtal, untergebracht. Als optimaler Ort für die neue Grüne Erde-Welt wurde der Sitz einer alten, nicht mehr im Betrieb befindlichen Küchenfabrik in Steinfelden auserkoren: Entsprechend der Philosophie, keine neue Landschaftsflächen zu versiegeln und der Natur zu entziehen, wurde diese im April 2017 abgerissen, der Abbruch-Beton rezykliert und für den Bau des neuen Fundaments an der selben Stelle wieder verwendet. Mit der Grüne Erde-Welt am Fuße des Hambergs verortet sich die Grüne Erde auch weiterhin im Almtal. Die Produktion rückte damit wieder ein Stück näher an Scharnstein heran, die „Geburtsstätte“ der Grünen Erde im Jahr 1983.

Kurz vor Weihnachten 2017 wurde das neue Gebäude der Grünen Erde-Welt außen fertig gestellt. Matratzen- und Textilproduktion und Lager zogen im Mai 2018 in die neuen Räumlichkeiten. 

Alle Infos und Fotos stammen von Grüne Erde – www.grueneerde.com

 

Sustainable corporate architecture with the example of Grüne Erde

Industrial estates are growing rapidly everywhere, and so is land sealing. It is certainly a discussion that can last more than an evening, whether this system makes sense in the long run (at least from my point of view, I can answer simply with “no” :-)). But as is so often the case, there is not only black and white, but also a lot in between, and so I always prick up my ears when companies don’t just expand and build as much as they can, but when they do so in a way that conserves resources and is as sustainable as possible, and when the atmosphere they create for employees and customers is also important to them.

That is why I am presenting here today the company headquarters of the Austrian company Grüne Erde, which was completed in 2018. (Without commission, payment or the like, but because I find it interesting). With the architectural concept, the Austrian company wants to break new ground in the design of a company headquarters: It is not about putting itself in the foreground and staging itself, but about letting nature and culture grow together. The building deliberately keeps a low profile instead of standing out as an architectural landmark from a distance. The landscape and the building become one, merge into each other, as it were – there is a conscious dissolution of boundaries between nature and architecture. Architect Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Klaus K. Loenhart: “You don’t enter a building, you enter a building and a landscape at the same time. The Green Earth World is an experiential, but also living landscape, where people develop, work, visit and discover – and actual liveliness is an integral part.”

The compact building, which is strongly horizontal and does not reach for the sky, has reduced external surfaces and thus does not stand out from the surrounding nature through structural projections and recesses. On the contrary – its simple form connects it with the nature and landscape in the foreground and background to form a horizon line. The densely forested Hamberg offered itself as a natural “stage set”: The landscape in front was gently modelled so that the Green Earth World sits in a shallow hollow.

The façade of individual, differently inclined mirror glass panels also creates a fascinating spatial depth: the existing old trees and the specially planted trees and shrubs (450 trees and 700 shrubs in number) are literally multiplied by the mirroring. The impression of a forest is reinforced.

Consistently following the idea of letting the building merge into the landscape, the feeling of nature continues inside the Green Earth. Here, too, the focus is on the use of natural materials, above all the renewable raw material wood: the supporting structure, ceiling and interior walls are made of lightly glazed spruce wood. Floors made of solid oak parquet were laid in the store and the showrooms as well as in the offices, and all the shop furniture was also made of local oak. Sheep’s wool as ecological thermal insulation contributes to the pleasant indoor climate. The natural ambience is also underlined by the generous use of local stones: A terrazzo floor with a polished surface was cast from the gravelly soils of the surrounding area.

An unusual component of the Grüne Erde world are the 13 planted atriums – an architectural novelty for a company building, according to Grüne Erde. Each of the 20-30 m2 atriums is glazed and open at the top – a direct connection to nature outside. The atriums are planted with different types of native vegetation: maple-ash canyon forest, Pannonian downy oak forest, oak-hornbeam mixed forest or stone pine-larch forest express the living diversity of the Austrian forest. The soils in the atriums are perfectly adapted to the needs of the respective plant community: dry, moist, sandy, peaty, calcareous, mossy or stony.

With the atriums, the boundaries between outside and inside, between nature and architecture, become blurred. They not only serve as natural light sources, but are also the basis for the building’s air conditioning: Instead of air conditioning systems, they produce the necessary coolness and oxygen to breathe: in this way, they enable the building to breathe in and out organically.

The idea for the Green Earth World was born a good 5 years ago: Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Klaus K. Loenhart from the architectural office terrain: integral designs, Munich/Graz, who was commissioned with the overall concept and planning, convinced with his proposals for the Green Earth World. At Grüne Erde, the conviction arose that the architect and landscape architect responsible for the Austria Pavilion at Expo Milan 2015 was able to empathise with the task at hand and would be able to implement the corporate philosophy, in particular the connection with nature, well architecturally.

Firmly rooted in the Almtal. When choosing the location for the project, the premise was to leave value creation and jobs in the Almtal region: The headquarters of Grüne Erde are in Scharnstein, the textile workshops were housed for more than 20 years in the “Rittmühle” on the Alm near Vorchdorf, also in the Almtal. The site of an old kitchen factory in Steinfelden, which was no longer in operation, was chosen as the optimal location for the new Green Earth World: in line with the philosophy of not sealing any new landscape areas and taking them away from nature, it was demolished in April 2017, the demolition concrete recycled and reused for the construction of the new foundation at the same location. With the Grüne Erde World at the foot of the Hamberg, Grüne Erde continues to locate itself in the Almtal. Production thus moved a little closer again to Scharnstein, the “birthplace” of Grüne Erde in 1983.

Shortly before Christmas 2017, the exterior of the new Grüne Erde World building was completed. Mattress and textile production and storage moved into the new premises in May 2018.

All info and photos are from Grüne Erde – www.grueneerde.com.

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